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Dieser Bericht ist in der Kölner Rundschau erschienen: http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1319813682181.shtml
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Schrille Schreie in der Nacht
Von Tom Steinicke, 31.10.11
Die letzten Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Schleierwolken. Doch längst hat die Sonne den Kampf gegen die Nacht verloren. Der Mond und die Silhouette von Burg Satzvey spiegeln sich im Wassergraben.
Eine schöne Abwechslung zum normalen Ritterleben: Mittelalter-Darsteller verbreiteten in ihren detailgetreuen Kostümen rund um das Gelände Angst und Schrecken.
SATZVEY - Die letzten Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Schleierwolken. Doch längst hat die Sonne den Kampf gegen die Nacht verloren. Der Mond und die Silhouette von Burg Satzvey spiegeln sich im Wassergraben.
Wenige Augenblicke später sind Fackeln und einige Kerzen die einzigen Lichtquellen. Und mit der Dunkelheit wagen sich schaurig anmutende Kreaturen aus ihren Verstecken hervor. Vampire, Hexen und Zombies strömen Richtung Burgtor. Eine Woche nach dem Kinder-Geisterfest haben nun die „richtigen“ Unholde die mittelalterlichen Gemäuer und das Gelände drum herum erobert. Die Sendboten von Halloween verbreiten Schrecken. Nicht selten ertönt ein schriller Schrei aus dem Innenhof.
„Das ist nichts für schwache Nerven. Aber ich bin wirklich fasziniert davon, wie viel Mühe sich die Darsteller mit Make-up und Kostüm gegeben haben“, sagt Franziska Engels. Die 22-Jährige ist mit ihrem Freund nach Satzvey gekommen. Während sich beide ein sogenanntes lebendes Bild anschauen, schleicht sich hinterrücks ein Zombie an das Paar heran. Als sie sich umdrehen und zu den Marktständen im Innenhof gehen wollen, blicken sie direkt ins gar nicht schöne Gesicht des Untoten. Und schon schallt wieder ein Schrei über das Burggelände. Doch wieso erlebt Halloween in den letzten Jahren so einen Boom?
„Ich kann nur für meine Tochter sprechen. Sie hat unglaubliche Lust am Verkleiden“, versucht Toni Falvo eine Erklärung zu liefern. Er ist mit seiner zehnjährigen Tochter Tatjana extra aus Bonn in die Eifel gekommen. „Wir sind nun zum dritten Mal hier. Wir freuen uns vor allem auf das Labyrinth des Schreckens“, so der 46-Jährige. Wenn er sich da mal nicht zu früh gefreut hat. Denn das Labyrinth ist wirklich nichts für schwache Nerven. Vielleicht ziehen Vater und Tochter auch deshalb noch schnell die Geistermaske übers Gesicht. „So können wir wenigstens sagen, dass uns der Schrecken nicht ins Gesicht geschrieben stand“, sagt er.
Hand in Hand kämpfen sich die beiden anschließend durch das Labyrinth, vorbei an etlichen „lebendigen Bildern“. Allein 25 Schauspieler verbreiten im Labyrinth, das von Olaf Sabelus mit viel Liebe zum Detail in den letzten drei Wochen errichtet wurde, Schrecken. Ob es das unschuldig anmutende Mädchen auf der Schaukel oder irre Massenmörder mit der Kettensäge sind – sicher kann man zu keinem Zeitpunkt sein. Und wie in jedem guten Horrorfilm werden die Besucher genau dann erschreckt, wenn sie nicht damit rechnen. Auch andere Besucher finden keine wirkliche Erklärung für die Faszination Halloween. „In der Familie scheiden sich die Geister. Mein Sohn und ich finden es total spannend, während meine Frau doch eher für Karneval ist und lieber bunte und freundliche Kostüme mag“, sagt Volker Schmitz. Dementsprechend ist der 55-jährige Vater mit seinem 16-jährigen Sohn auch ohne Frau nach Satzvey gekommen. In diesem Jahr schlendern sie als Vampire über das Gelände. „Ich habe damals schon „Der kleine Vampir„ geguckt“, sagt er schmunzelnd.
Jacqueline Kall stehen die Haare zu Berge. Ihre blonde Mähne hat die 16-Jährige mit zwei Dosen Haarspray und noch mehr Geduld so hergerichtet. Dazu saß sie noch eine gute halbe Stunde in der Maske. „Was man nicht alles tut, um untot zu sein“, sagt sie lächelnd. Vor ein, zwei Jahren sei sie noch als Hexe verkleidet um die Häuser gezogen und habe „Süßes oder Saures“ gefordert. Die Schülerin gehört zur „Freien Ritterschaft Ostbelgien“. Gemeinsam mit der Ritterschaft „Pro Libertate“ machen sich die Mittelalter-Fans regelmäßig auf den Weg nach Satzvey. Halloween ist für die Ritter aus Leidenschaft eher so etwas wie Karneval. „Das Mittelalter leben wir. Mit allem was dazu gehört. Aber Halloween ist eine nette Abwechslung“, erklärt Birgit Kießlich.
Rund 20 Frauen, Männer und Jugendliche haben die Rüstungen gegen Zombie-Kostüme getauscht. Sie haben ihr Quartier am „Friedhof“ aufgebaut. Dort haben sich die Organisatoren was ganz Besonderes einfallen lassen. In den fiktiven Gräbern ruhen – wenn man den Grabsteinen Glauben schenken soll – zum Beispiel Ernie und Bert, die Teletubbies und das aller, allerletzte Einhorn. Empfangen werden die Besucher in diesem Jahr von einer Dame, die schon sehr lange auf den perfekten Mann wartet. So lange, dass nur noch das Skelett übriggeblieben ist.
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